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Mein Freund, der Mai

Neukölln im lauen Frühling… ah herrlich!!! Am besten zu genießen, wenn der allmorgendliche Gang bürowärts mal für ein schlappes halbes Dutzend Wochen entfallen kann… in früheren Jahren war einem der freien Zeit noch etlich mehr an die Hand gegeben, man hatte sich nur ab und wann in der Sonnenallee 282 einzufinden, damit man zwischendurch überhaupt an die frische Stadtluft kam… war mir letztlich nix. Nun ja, heute nennt es sich “Elternzeit” und umschreibt einen ganz eigenen Zustand des semi-übernächtigten In-Den-Tag-Hineinlebens. Enthirnt aber glücklich. Draußen am Kanal die geliebte Duftmelange aus brackigem Wasser, blühendem Flieder, sonnengetrocknetem Hundedung und Grillanzünder. Beim abendlichen Dauerlauf ums Studentenbad nur mäßige Vorfreude auf das Mückenjahr 2008: dicke schwarze Wolken tausender stachelbewehrter Plagegeister hängen träge über der grünbraunen Brühe (in welcher ich heute übrigens nach vier Jahren im Kiez erstmals einen lebenden Fisch herumschwimmen sehe, eine Rotfeder, das ist so eine Art kleiner Stallone unter den Süßwasserfischen, grätenreich und hart im Nehmen, fände wahrscheinlich sogar in Rosas Wickelwasser noch ein erträgliches Auskommen), und mischen sich gelegentlich mit deutlich kleineren Gruppen zusehends entnervter Fahrgäste auf den Oberdecks der vorbeischnaufenden Ausflugsdampfer. Unfreiwillig komisches, weil aussichtsloses Gefuchtel ist die unvermeidbare Folge dieser ungleichen Begegnung von Mensch und Kreatur. Ich versuche derweil nicht zu lachen, da ich dazu den Mund mehr als nötig öffnen müsste. Wer an solch Mückenabend beim Dauerlauf zu offenherzig atmet, ist hinterher satt.

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